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13.04.2026

Martins Workshop für Brunnenbau und Wasserversorgung

Martins Workshop für Brunnenbau und Wasserversorgung

Als gelernter Bauingenieur mit mehr als 35 Jahren Erfahrung im Grundbau und seit 2022 im Ruhestand durfte ich, Martin Pelzl, von Jänner bis April 2025 einen Workshop für Brunnenbau und Wasserversorgung in Uganda abhalten. Dabei hatte ich George, den Leiter des „Water Department“ von Nakaziba, und ausgewählte Schüler im Rahmen ihrer Ausbildung zum Installateur zu unterrichten. Die Unterrichtsbehelfe stellte ich mir mangels passender Literatur selbst zusammen, um das Basiswissen in möglichst einfacher Form vermitteln zu können.

Das Ausbildungsprogramm bestand einerseits aus dem Theorieunterricht in der Klasse, beginnend mit Grundlagen der Bodenkunde über die Herstellung von Quellfassungen, von händisch gegrabenen Brunnen und Bohrbrunnen sowie über die Bohrtechnik, Ausrüstung der Brunnen bis hin zum Betrieb, Wartung und Reparatur von Brunnen. Andrerseits waren im Rahmen des Workshops auch praktische Arbeiten zur Wasserversorgung von einigen Schulstandorten durchzuführen.

Unsere erste praktische Aufgabe war die Neuerrichtung einer Quellfassung auf dem Schulstandort in Kalangaalo. Bis dahin wurden die Schule und das nahegelegene Dorf nur mit in Tanks gesammeltem Regenwasser und mit ungereinigtem Flusswasser versorgt, das aus einem nahegelegenen Bach entnommen und hochgepumpt wurde.

Die Ausgangslage für unsere Arbeit war ein auf dem eigenen Grundstück vorhandenes Wasserloch mit schmutzigem Wasser, aus dem die Kinder vom Dorf täglich Wasser holten.

Wir legten zuerst die Quelle frei, bauten Filtersand und Filterkies zur natürlichen Reinigung des Wassers ein, sammelten es in einem darin verlegten Filterrohr, führten das Wasser zu einem nahegelegenen Pumpenschacht und pumpten von dort das Wasser zum höchstgelegenen Punkt der Schule, um es von dort im freien Gefälle zu den Schulküchen und zu einer Wasserentnahmestelle im nahegelegenen Dorf zu verteilen.

Wir konnten damit ca. 7000 Liter klares Wasser pro Tag erzeugen, was für die Versorgung der Schulküchen und des nahegelegenen Dorfes bei weitem ausreichte. Natürlich feierten wir unseren Erfolg mit einem noblen Abendessen im besten Restaurant des Dorfes, zu dem ich gerne einlud.

Des Weiteren waren wir mit Wartungsarbeiten an Bohrbrunnen beschäftigt, mit denen der Verein KINDERN EINE CHANCE die Dörfer der Umgebung mit Wasser versorgt. Dabei konnte ich den Herren des „Water Department“ bei ihrer täglichen Arbeit zusehen.

Um die Arbeit des Hochhebens und Absenkens der Pumpleitung zu vereinfachen, bauten wir uns aus einigen Abfällen ein Dreibein und eine Sandpumpe, um Sand aus versandeten Brunnen herauszuholen, offensichtlich Innovationen in Uganda, weil das niemand kannte, aber dann doch sehr geschätzt wurde.

Wir wurden auch zum Schulstandort Bongole gerufen um eine in die Jahre gekommene und ziemlich desolate Quellfassung zu sanieren. Dabei mussten wir die Quellkammer von Sand befreien, eine Zuleitung neu verlegen, die Wasserhähne erneuern, und den Auslauf ausputzen und instandsetzen. Das notwendige Material wurde in landesüblicher Art herangeschafft. Nach Fertigstellung unserer Arbeiten stellten wir dem Schulleiter einen Wartungskatalog auf in der Hoffnung, dass dieser im Sinne der Dauerhaftigkeit der Quellfassung eingehalten wird.

Unser letzter Einsatz führte uns nach Bukwiri, wo auf einem neu angekauften Grundstück ein Brunnen errichtet werden sollte. Der Brunnen wurde von einer lokalen Firma gebohrt und wir waren dabei nur Zuschauer, um über die Herstellung von Bohrbrunnen zu lernen.

Am meisten konnten die Schüler dabei von Fehlern lernen, die beim Bohren gemacht wurden, weil man gut sehen konnte, wie es nicht funktioniert und auch gut erklären konnte, warum die gewählte Bohrmethode in den vorgefundenen Bodenverhältnissen nicht funktioniert. Die Bohrung wurde schlussendlich nach 2 Fehlversuchen erfolglos abgebrochen, weil nur braunes Wasser und davon zu wenig gefördert werden konnte. Der Brunnen wurde aber mittlerweile von einer anderen Bohrfirma nach dem von uns vorgeschlagenen Bohrverfahren erfolgreich fertiggestellt.

Zum Abschluss legten alle Schüler über den abgehaltenen Workshop eine Prüfung ab und bestanden diese mit gutem Erfolg, der auch von der „School for practical skills“ in Nakaziba gebührend gefeiert wurde.

Die besonderen Herausforderungen bei diesem Einsatz waren:

  • Die täglich notwendige Improvisation um in kleinen Schritten vorwärts zu kommmen;
  • Mit bescheidenen Mitteln und manchmal ohne Ressourcen das Ziel zu erreichen;
  • Vermittlung von Fachwissen in einfachster Form, ohne auf Vorkenntnisse aufzubauen;
  • Finden von spielerischen Versuchen um Lernstoff anschaulich und verständlich zu machen.

Besonders beeindruckt hat mich:

  • Die Lebensfreude der Kinder;
  • Die Zufriedenheit der Leute trotz ärmster Verhältnisse;
  • Stolz und Dankbarkeit der Schüler, wenn sie etwas Neues gelernt und verstanden haben.

Betroffen gemacht hat mich:

  • Die Vielzahl an behinderten Kindern und die Vielfalt der sichtbaren Behinderungen;
  • Die Armut der von der Organisation unterstützen Familien.

Ich habe meine Gummistiefel und den Sonnenhut vorerst in Nakaziba gelassen. Vielleicht brauche ich diese Grundausrüstung dort wieder einmal.